Knigge für Landwirte und Manager

Portrait der Knigge-Trainerin Heike Keiner

Beratung in ländlicher Idylle

Weite Felder und ein herbstlich anmutender Wald umgeben das Haus von Heike Keiner. Es ist weit und breit kein Auto zu hören. Richtig idyllisch ist es hier. „Wir wohnen an der höchsten Stelle der Stadt“, sagt sie stolz. Das merkt man hier oben deutlich: der gigantische Ausblick reicht weit über das andere Ende ihrer Heimatstadt Solms. Entspannt steht sie an der Terrasse und atmet die klare Herbstluft ein.

Heike Keiner ist ein Wintertyp. Kontrastreiche Farben, schöne Tücher, mal ein ausgefallener Ring: „Dramatische Elemente“, erklärt sie. Nach langen Arbeitstagen freut sie sich aber auch auf eine bequeme Jeans und ein einfaches Shirt, so wie heute. Verständlich. Ihre Ausbildung zum Image Consultant an der TYP Akademie liegt mittlerweile schon zwölf Jahre zurück. „Während meiner Ausbildung gab es reihenweise „Aha“-Effekte.“, sagt sie und lächelt. „Ich denke gerne daran zurück.“

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Vom Mathematik-Diplom zum Image Consultant

Ihr Karrierestart ist vom Image Consultant dabei so weit entfernt wie nur möglich. An der Fachhochschule Gießen-Friedberg macht sie ihr Diplom in Mathematik. „Auswendig lernen lag mir nie. Bei Mathe musste ich einfach nur die Logik dahinter verstehen – das fiel mir schon immer leicht“. Nach dem Studium beginnt sie in der IT-Branche. Kein einfaches Pflaster. Nicht selten hat sie 60-Stunden Wochen.

„15 Jahre lang habe ich dort gearbeitet“, verrät Heike Keiner. „Nachdem meine beiden Kinder geboren waren allerdings nur noch in Teilzeit. Aber das funktioniert einfach nicht so recht“. Ihr Mann arbeitet für einen amerikanischen Konzern und ist weltweit unterwegs. Etwas mehr Freiheit musste her.

Arbeit auf selbständiger Basis scheint wie geschaffen für sie. „Ich will mein eigener Herr sein“, sagt sie und schließt die Terrassentüre. Auf die TYP Akademie stieß sie, als sie mit einer Arbeitskollegin in Kontakt tritt. „Sie war immer wahnsinnig typgerecht gekleidet und ihre Farben standen ihr fantastisch. Als ich sie ansprach, meinte sie, sie hätte eine Farb- und Stilberatung gemacht.“ Kurze Zeit später beginnt Heike Keiner die Ausbildung zum Image Consultant und wird auch lizenzierte Knigge-Trainerin.

Auch für Studenten gibt es einiges zu lernen

Im Obergeschoss des Hauses knallt eine Tür. Ihre jüngste Tochter kommt die Treppe herunter und macht sich in der Küche einen Tee. „Liz studiert Mathe auf Lehramt. Ein bisschen Talent scheint sie von ihrer Mutter abbekommen zu haben“, sagt Heike Keiner und lacht. Ihre beiden Töchter sind für sie allerdings nicht der einzige Kontakt, den sie zu Studenten hat.

Regelmäßig hält sie Knigge-Seminare an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Für die Studenten für StudiumPlus ist das einwandfreie Benehmen in verschiedenen Geschäftssituationen Pflichtprogramm. Hier geht Heike Keiner in ihrem Beruf voll auf. „Die Seminare sind sehr intensiv und dauern den ganzen Tag, aber die Studenten profitieren stark davon“. Als Abschluss geht es mit dem gesamten Kurs in ein edles Restaurant – natürlich in Businesskleidung. Hier wird das Gelernte direkt umgesetzt. Heike Keiner grinst verschmitzt: „Ich bestelle schon auch mal Spaghetti mit Tomatensauce als Vorspeise. Das ist dann die Königsdisziplin. Ist zwar ein bisschen gemein, bringt aber immer Spaß und Lockherheit in die Runde.“

„Wertschätzung sticht Etikette“

Doch nicht nur Studenten werden von ihr in Sachen Benimmregeln geschult. Aufgrund ihres Arbeitshintergrunds gibt sie auch immer wieder Seminare in großen Firmen. „Auch hier vermittle ich Umgangsformen und wichtige Punkte in Sachen Tischkultur“, sagt sie, wobei es ihr nicht darum geht, plumpe Regeln zu präsentieren. „Wertschätzung sticht Etikette“, meint Heike Keiner. Es soll darum gehen, authentisch und glaubwürdig aufzutreten. Keine Rolle zu spielen. Und ein freundliches, wertschätzendes Verhalten gegenüber allen Mitarbeitern zu zeigen. „Ob das jetzt der Boss ist oder der Hausmeister, ist letztendlich egal“.

Foto: Shutterstock

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Doch natürlich finden auch Einzelkunden ihren Weg zu Heike Keiner. Ihr Werbemodell ist außergewöhnlich: „Ich habe keine eigene Website, lediglich im Rahmen der TYP Akademie. Ich setze voll auf Empfehlungsmarketing“. Das Konzept geht auf, an Kunden mangelt es ihr nicht. Sie greift ihren Kaffee und geht in den ersten Stock. Hier ist ihr Beratungszimmer.

Der Raum ist lichtdurchflutet. Zwei Fensterfronten hellen das Zimmer natürlich auf. In der Zwischenablage eines Tisches liegen Modezeitschriften, an der Garderobe hängen verschiedene Kleidungsstücke. Die Wände haben einen angenehmen Cremeton, frische Blumen stehen auf einer Kommode. Durch das Fenster sieht man einen Walnussbaum, dessen Äste sich im Wind bewegen. Heike Keiner nimmt ein paar Nüsse aus der Schale, die auf dem Tisch steht.

Mangel an männlichen Kunden?

„Natürlich habe ich immer ein bisschen was zum Knabbern und Obst da. Die Beratungen können manchmal wirklich lange dauern, da ist so ein kleiner Energieschub gerade richtig“. Sie liebt die Arbeit mit ihren Kunden, auch wenn sie sich manchmal wünscht, dass mehr Männer das Angebot wahrnehmen. Heike Keiner runzelt die Stirn. „Wenn ich ganz ehrlich bin: wenn ich manche Männer an öffentlichen Plätzen sehe, würde ich am liebsten hingehen und ein paar Tipps geben“. Warum sich so wenige Männer trauen, sich beraten zu lassen, ist ihr ein Rätsel. „Vielleicht fällt es Männern einfach schwerer, sich zu öffnen und etwas von ihrer Persönlichkeit preiszugeben“, mutmaßt sie. Doch ganz sicher weiß sie es nicht.

Auch für außergewöhnliche Aufträge ist sie zu haben

Die Beratung verlangt ihr dennoch häufig einiges ab, auch wenn die Ergebnisse immer für sich sprechen. „Erst neulich stand ein Kunde bei mir an der Türschwelle und präsentierte sein neues Outfit, das er nach meiner Beratung gekauft hatte. Er war wie ausgewechselt. Nicht nur äußerlich, auch sein Selbstbewusstsein hatte sich bereits positiv verändert.“ Solche Momente sind natürlich ein immenser Antrieb. Und natürlich Aufträge, die ein wenig aus dem Rahmen fallen.

„Mein witzigster Auftrag war für die Zeitschrift ‚Elite‘. Wir waren im Bergischen Land und ich sollte eine Bäuerin komplett umstylen und schminken – das volle Programm“. Mit Sommerkleidchen und offenen Schuhen zog Heike Keiner damals los. „Mir wurden erst mal ein Paar Gummistiefel in die Hand gedrückt“, lacht sie. „Nun, das war auch bitter nötig. Denn auf der Weide war  alles voller Matsch“. Die Arbeit selbst empfand sie als großartig. Neue Kleidung, passendes Makeup – Bäuerin Andrea war wie ein anderer Mensch und überaus glücklich und dankbar.

„Ich weiß noch genau, wie wir zum ‚vorher/nachher‘-Shooting auf die Weide gelaufen sind. Nach dem Styling klebten die Gesichter der Dorfbewohner förmlich an den Fensterscheiben. Das hatte sich innerhalb weniger Stunden im Dorf rumgesprochen“. Wieder muss sie schmunzeln. Die Vielfalt ihrer Arbeit und die Freiheit über ihre Aufträge entlasten sie sehr.

„Ich entspanne jetzt noch ein bisschen, das Haus gehört heute Abend mir“, sagt sie und schaut auf die Uhr. Morgen geht Heike Keiner wieder an die Hochschule zu ihren Studenten. Doch für heute ist erst mal Schluss. Das hat sie sich redlich verdient.

 

Wenn Sie mehr über Heike Keiners Beratungsarbeit erfahren möchten:
www.typcolor.de/keiner


Autor: Micha Kunze

Er hat Angewandte Medien studiert und portraitiert auch in den kommenden Wochen einige Absolventen der TYP Akademie.



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